24.04.2026 I wire 2026 im Rückblick. Was diese Messe gezeigt hat und welche Entscheidung daraus folgt.
Fünf Tage Düsseldorf, hunderte Gespräche, ein klarer Befund.
Die WIRE 2026 ist vorbei. Und wie nach jeder Messe setzen wir uns hin und ordnen ein, was wir mitnehmen. Diesmal fällt das Fazit klarer aus als in den Jahren zuvor. Nicht, weil die Lage leichter geworden wäre – im Gegenteil. Sondern weil sich die Situation, in der sich die gesamte Branche gerade befindet, in Düsseldorf in fast jedem zweiten Gespräch bestätigt hat.
Wir möchten hier einordnen, was wir beobachtet haben. Wie wir das einschätzen. Und welche Entscheidung daraus für uns folgt.
1. Die Branche steht unter Druck
Die geopolitische Lage hat in den vergangenen Monaten Spuren hinterlassen, die in unserer Industrie deutlich spürbar sind. Lieferketten bleiben angespannt, Energiekosten hoch, Planungsräume kürzer. Das zeigt sich konkret in der Art, wie Anfragen formuliert werden: Es wird nach günstigeren Preisen für bestehende Werkstoffe gefragt. Nach alternativen Lösungen, die sich schneller rechnen. Nach Ausweichmöglichkeiten aus einer Kalkulation, die vor zwei Jahren noch selbstverständlich aufging und heute nicht mehr.
Wir nehmen das ernst, und wir nehmen es nicht persönlich. Solche Phasen gibt es. Unsere Aufgabe in dieser Lage besteht darin, verlässlich zu bleiben – auch dann, wenn die Kalkulation auf Kundenseite komplexer wird. Dank einer gut aufgestellten Gruppe, einer Wertschöpfungskette aus einer Hand und einer soliden Basis können wir mitgehen, wo es sinnvoll ist, und Grenzen benennen, wo sie nötig sind. Wir sind resilient aufgestellt. Das gibt uns Luft zum Atmen und unseren Partnern Sicherheit.
2. Was uns Sorge macht
Was uns aber aufgefallen ist – und was uns über die Messe hinaus beschäftigt: In einer Branche unter Druck rutscht das Thema Nachhaltigkeit schneller von der Agenda, als es gesund ist. Kreislaufwirtschaft, alternative Werkstoffe, Investitionen in grüne Energie – all das findet weniger Raum in Gesprächen, die gerade von Preis und Marge dominiert werden.
Wir haben dafür Verständnis. Niemand kann mit voller Kraft in die Zukunft investieren, wenn die Gegenwart jede Woche neue Dringlichkeit produziert. Und doch ist es schade. Die Stahlindustrie hat eines der größten Potenziale für echte Kreislaufwirtschaft, die der Materialmarkt überhaupt kennt. Stahl lässt sich unendlich wiederverwenden, ohne nennenswerten Qualitätsverlust. Das ist keine Werbebotschaft – das ist Physik.
Wenn wir dieses Potenzial in druckvollen Zeiten aus dem Blick verlieren, stehen wir da, wenn sich die Lage beruhigt, und haben die Lösungen nicht parat, die dann gefragt sein werden. Deshalb halten wir das Thema hier hoch. Auch und gerade in schweren Zeiten.
3. Unsere Entscheidung: Jetzt investieren, nicht warten
Aus dieser Beobachtung folgt für uns eine klare Haltung – nicht nur als Überzeugung, sondern als Geschäftsentscheidung. Wir nutzen diese Zeit bewusst. Wir investieren genau jetzt, wo andere zögern. In drei Richtungen.
Modernisierung. Wir ziehen Vorhaben vor, anstatt sie zu schieben. Was unsere Anlagen leistungsfähiger, energieeffizienter und zukunftsfest macht, passiert heute – nicht morgen.
Forschung und Entwicklung an alternativen Werkstoffen. Für bestehende Anwendungen arbeiten wir an Lösungen, die günstiger in der Anwendung und sparsamer im Energieverbrauch sind. Manche davon kennt die Industrie schon, manche erproben wir gerade. Das Ziel: Kunden im nächsten Zyklus einen Werkstoff anbieten zu können, der nicht nur wettbewerbsfähig, sondern materiell überlegen ist.
Neue Werkstoffe für bisher ungelöste Aufgaben. Parallel forschen wir an Lösungen, die es so heute noch nicht gibt. Anwendungen, in denen Draht bisher an Grenzen gestoßen ist – oder gar nicht erst eingesetzt wurde. Wir sehen dort Räume, die sich öffnen lassen. Und wir sehen keinen Grund, damit zu warten, bis der Markt es einfordert.
Warum wir das jetzt tun
Die kurze Antwort: Weil wir überzeugt sind, dass es richtig ist.
Die längere Antwort: Weil Haltung in schwierigen Zeiten mehr trägt als Haltung in guten. Wer bei Gegenwind investiert, sendet ein Signal – an Kunden, Partner, Mitarbeitende –, dass er nicht nur die nächsten zwei Quartale im Blick hat, sondern das, was danach kommt.
Wir glauben, dass die Branche in einigen Jahren auf diesen Moment zurückblicken wird und fragt, wer die druckvolle Zeit als Tugend genutzt hat. Zu denen wollen wir gehören. Nicht, weil es marketingwirksam ist, sondern weil wir überzeugt sind, dass es der einzige Weg ist, den wir verantworten können.
Unsere Kunden und Partner können sich auf uns verlassen – heute. Und sie können darauf vertrauen, dass wir gleichzeitig an dem arbeiten, was übermorgen zählt.